Reisebericht Rumänien

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Auf den Spuren deutscher Einwanderer

Predeal liegt auf...

04.06. - 11.06.2018

Reisebericht

... ca. 1.050 m Höhe und ist ein ausgewiesener Luftkurort in Siebenbürgen. Die Kleinstadt mit etwa 4.800 Einwohnern ist die höchstgelegene Stadt Rumäniens und Sommers wie Winters ein beliebtes Touristenziel – auch für die Leserreisen-Gruppe der Kieler Nachrichten und der Segeberger Zeitung, die sich auf einer Rundreise auf den Spuren der Deutschen Einwanderer in Rumänien befinden. Im Winter locken in der Umgebung von Predeal Skiabfahrten unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade und Loipen für Ski-Langlauf. Im Sommer ist der Ort mit wunderbarem Blick in die Karpaten ein guter Ausgangspunkt für Besichtigungstouren zu den umliegenden Sehenswürdigkeiten und für Wandertouren. „Wussten Sie, dass es in Predeal die beste Luft ganz Rumäniens gibt?“, so Bogdan (33), mit dem ein Teil der Rumänien-Reisenden bei einem kurzen Spaziergang ins Gespräch kommt. Einmal als Deutsch identifiziert, wird so mancher Schleswig-Holsteiner auf der Reise von den Einheimischen auch so angesprochen. Deutsche Straßennamen unter den rumänischen sind auf Schildern vielerorts ebenso präsent wie Kindergruppen, die sich zum Unterricht in deutsche Schulen begeben. Auch die Stadt Mediaş zeugt vom kulturhistorischen Erbe und Einfluss der siebenbürgisch-sächsischen Siedler. Eindrucksvoll beherrscht der schiefe Hauptturm der evangelischen Margarethenkirche das Stadtbild. Der Turm begann sich zu neigen, nachdem Mediaş 1550 das Stadtrecht erhielt und daraufhin der Turm um einige Meter erhöht wurde sowie vier zusätzliche Ecktürme erhielt, die signalisierten, dass in dieser Stadt Todesurteile gesprochen und vollstreckt werden durften. Dieser Belastung konnte das Fundament des Turmes nicht standhalten, wie die Gruppe erfährt. Im Laufe der Jahrhunderte mussten immer wieder Stabilisierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Nach dem Besuch der Margarethenkirche ist die Reisegruppe eingeladen einen Blick in den zugehörigen Kirchhof und Pfarrgarten werfen. Einige Freiwillige sind mit dem Jäten von Unkraut beschäftigt, anstrengend bei der großen Hitze und Schwüle, die gerade vorherrscht und haben daher nicht den Blick für die Idylle, die sich den Reisenden bietet. Verwunschen liegt der Garten hinter verwitterten, alten Steinmauern. Kletterrosen ranken sich an Gittern und Mauern empor und bilden mit Rebenranken ein schattiges Laubendach. Still und beschaulich ist es, ein paar Vögel zwitschern, kein Stadtlärm dringt bis hinter diese Mauern. Fast kann man spüren, wie die Geistlichen vieler Jahrhunderte hier Kontemplation fanden und finden. Im Gegensatz zu dieser Stadtkirchenburg mit ihrem zentralen Platz mitten in der Stadt liegt die größte Kirchenburg Rumäniens und UNESCO-Weltkulturerbe „Biertan“ oder zu Deutsch: Bierthälm auf einer Erhebung. Schon von Ferne sieht man die mächtigen Ringmauern und Türme der Kirchenburg. Nachdem die Reisegruppe über einen überdachten Treppenaufgang den Hügel zur Burg erklommen hat, steht sie vor dem Blickfang der Hallenkirche, dem Flügelaltar aus dem Spätmittelalter. Ein besonderer Augenschmaus ist auch die Sakristei-Tür aus den 16. Jh., die mit Holzeinlegearbeiten besetzt ist und auf deren Innenseite sich der Blick auf die ausgefeilte Mechanik des Schlosses offenbart. Staunend folgen die Teilnehmer den Erklärungen des jungen Kirchenmannes, wie durch ein ausgeklügeltes System mit diversen Zahnrädern und Schließmechanismen die Tür zentral an mehr als ein Dutzend Stellen gleichzeitig verriegelt und so der Kirchenschatz gut gesichert werden konnte.


Auf der Weiterreise durch die Region Transsilvanien ist natürlich das Thema „Dracula“ unvermeidbar. Die Burg Bran oder auch Törzburg beispielsweise verdankt ihre Bekanntheit der Schilderung Bram Stokers in seinem Roman. Seine Beschreibungen treffen das Bild dieser Burg ziemlich genau. Erhaben thront sie auf einem Felsen über einer tiefen Schlucht und wirkt schon von Ferne respekteinflößend. Die historische Person Prinz Vlad III. Drăculea, auf den die Vampirgeschichten zurückgehen, ist aber höchst wahrscheinlich nie auf dieser Burg gewesen. In Schäßburg, rumänisch „Sighişoara“, findet sich dann auch das Geburtshaus von Prinz Vlad III. Drăculea, der als Kriegsherr seine Gegner pfählte und so die Grundlage für den blutrünstigen Mythos legte.
 
Rund 1,5 Kilometer von Sinaia entfernt schmiegt sich Schloss Peles malerisch an einem grünen Berghang. Das Schloss wurde als Sommerresidenz für König Carol I. erbaut und 1883 eingeweiht. Carol I. stammte ursprünglich aus dem deutschen Hohenzollern-Geschlecht, wie sich an den Ahnenportraits im Schloss erkennen lässt, die vom jungen Gustav Klimt gemalt wurden. Seiner Zeit weit voraus war die Ausstattung des Schlosses mit einer Zentralheizung. So erfährt die Gruppe, dass sämtliche Räume von einem zentralen Punkt aus beheizt werden konnten. Vor 1914 heizte das Personal mit Holz, danach mit Gas. Außerdem gab es in Küche und Badezimmern fließend warmes Wasser, keine Selbstverständlichkeit zu jener Zeit. Ob gewählter König, Kaufmann oder einfacher Handwerker – die Spuren, die diese deutschen Einwanderer in Rumänien hinterließen und die die Leserreisenden suchten, sind immer noch identifizierbar.

Jutta Klinksiek