Reisebericht Oslo -

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Mit Color Line zu "Lucia di Lammermoor"

Ach, was leidet man mit.

27.02. - 03.03.2018

Reisebericht

Es geht um die ganz große Liebe, um Verrat, um Intrigen und schließlich sogar um einen im Wahnsinn begangenen Mord. Bei der Oper „Lucia di Lammermoor“ erleben die Gefühle eine Achterbahnfahrt. Und wenn die dann auch noch in dem einzigartigen Operngebäude am Oslo Fjord präsentiert wird, ist das eine Reise wert. Die Teilnehmer der Leserreise der Kieler Nachrichten und der Segeberger Zeitung erlebten nun die Premiere des Meisterwerks des italienischen Komponisten Gaetano Donizetti (1797-1848) in Oslo hautnah mit.

Der Norweger Björn (50) ist an diesem Abend bester Laune. „Ich liebe klassische Musik“, sagt er am „Inngang B“, als die feingemachte deutsche Reisegruppe ihm ihre Eintrittskarten zeigt. „Ich bin sehr gespannt auf die Oper. Sie ist die erste Inszenierung unserer neuen Opernchefin Annilese Miskimmon.“ Bjørn ist zwar Norweger, spricht aber fließend Deutsch. „Ich hab‘ fünf Jahre in Berlin gelebt“, erklärt er lachend. „Das Kartenkontrollieren ist nur mein Hobby. Eigentlich leite ich eine Personalentwicklungsagentur.“ In Deutschland hat er Handwerker und Ingenieure angeworben, die in seiner Heimat dringend gebraucht werden.

In der norwegischen Hauptstadt tut sich bautechnisch Gewaltiges. Eine neue Nationalgalerie wird gebaut, in Opernnähe entsteht ein komplett neuer Stadtteil, und ein neues Munch-Museum wächst auch gerade in die Höhe. Aber erst einmal genießt die Gruppe aus Kiel die Aufführung in der wunderschönen Oper, die rein äußerlich einem treibenden Eisberg nachempfunden wurde. Im April wird das Gebäude zehn Jahre alt. 548 Millionen Euro haben damals allein die Baukosten verschlungen. Dazu kommt noch die aufwendige Innenausstattung. Tief dunkel geöltes Eichenholz aus Deutschland beherrscht den Saal mit seinen 1358 Plätzen. Auch Norwegens größter Kronleuchter mit sieben Metern Durchmesser ist hier zu bewundern. Aber im Moment bekommt die Dänin Henriette Bonde-Hansen (54) vorne auf der Bühne alle Aufmerksamkeit. Die Sopranistin, die schon in Wien, Amsterdam und in Frankreich Engagements hatte, singt die Lucia einfach sensationell. Genauso überzeugend ist Bassbariton Yngve Søberg, der die Rolle von Lucias Bruder Enrico übernommen hat und seit 2007 an der Osloer Oper das Publikums immer wieder aufs Neue begeistert.

Schon zuvor auf der Stadtrundfahrt hatte Stadtführerin Wenche (63) von der Oper, ihren insgesamt 620 Festangestellten und den tollen Inszenierungen geschwärmt. Sie führte die Gruppe aber auch durch die Stadt, zur Sprungschanze auf dem Holmenkollen, in den Vigelandpark mit seinen 212 Stein- und Bronzeskulpturen des norwegischen Bildhauers Gustav Vigeland und ins Fram-Museum. In letzterem konnte man sich dank der derzeitigen Außentemperaturen gut ins Leben an Bord des berühmten Polarschiffes versetzen. Was müssen die Männer um Roald Amundsen und Fridtjof Nansen damals gefroren haben...

Als die Kieler Gruppe nach dem Theaterbesuch von Busfahrer Aksel abgeholt wird, zeigt das Thermometer minus 16 Grad an. „In sechs Jahren gehe ich in den Ruhestand“, sagt der Busfahrer, „dann wandere ich in die Wärme aus.“ Wohin? „Spanien, Italien oder Griechenland“, sagt er verträumt und lenkt seinen Bus vorbei an Schneebergen und warm eingemummelten Menschen. Zum Glück hat die Opernaufführung die Seele so wunderbar erwärmt, dass die Kieler eher von Lucia und der eben gehörten Glasharfe träumen, als vom Ruhestand in wärmeren Gefilden.

Kristiane Backheuer