Reisebericht Moskau

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Hauptstadt eines Weltreiches

„Ostoroschno“ – Achtung! Die Türen schließen...

14.07. - 18.07.2017

Reisebericht

... Dicht an dicht platziert in den Waggons der Metro tippen sie fast synchron auf ihren Smartphones oder Tablets bis die Displays blinken, durch nichts zu erschüttern – die jungen und junggebliebenen Moskowiter.  Anstandslos stehen Jüngere auf, um älteren Zugestiegenen einen Sitzplatz zu ermöglichen und dann stehend, ohne sich festzuhalten oder zu schwanken, die begonnene Konversation in den sozialen Netzwerken wie etwa VKontakte, dem russischen Facebook-Pendant,  fortzusetzen. Staunend verfolgt von den Leserreisenden der Kieler Nachrichten und Segeberger Zeitung, selbst versucht, das eigene Smartphone oder die Kamera aus der Tasche zu ziehen und diese Szene auf die digitale Speicherkarte zu bannen. Fast einer Werbung für Smartphones gleich – unvermittelt ist man versucht sich nach den Filmkameras umzusehen, die hier einen TV-Spot drehen. Unterstützt wird der digitale ‚Hype‘ durch das kostenlose WLan, das die Moskowiter in den öffentlichen Verkehrsmitteln nutzen können. Paläste fürs Volk – so werden die Moskauer Metro-Stationen gerne genannt. Kommen Besucher wie etwa 24 Schleswig-Holsteiner nach einer Rolltreppenfahrt von bis zu 85 m in die Tiefe, staunen sie nicht schlecht. Wahre Kunstwerke sind in den Metro-Stationen zu bewundern, feinste Mosaike, hinterleuchtete Buntglasfenster, Stuckdecken mit prachtvollen Kronleuchtern, Marmor- oder Bronzeskulpturen. Eine junge Frau steigt aus der Metro und streift wie beiläufig einem Schäferhund aus Bronze in der Station „Platz der Revolution“ über die Schnauze, die vom vielen Anfassen schon glänzt. Glück soll es bringen. Die Station Komsomolskaja, benannt nach der sowjetischen Jugendorganisation Komsomol, gilt vielen als die schönste Station des ganzen Metro-Netzes. Auch die Station Majakowskaja gehört zu den architektonisch hervorzuhebenden Bauten und wird mit ihren Stahlsäulen dem Art déco zugerechnet. Der Entwurf der Station erhielt Ende der 1930er Jahre auf einer New Yorker Ausstellung eine Auszeichnung, wie Reiseleiterin Irina berichtet. Die Metro-Züge, die während der Hauptverkehrszeiten alle 2-3 Minuten fahren, bringen ca. 8 Mio. Fahrgäste täglich an ihr Ziel. Die Metro dient nicht nur dem Transport, sondern ist für sich genommen eine Sehenswürdigkeit und bietet Kurzweil sowie Deckung unterschiedlicher täglicher Bedarfe. An den Ein- und Ausgängen mancher Metrostationen oder in den Unterführungen stehen kleine Marktbuden und Stände, in denen von Kleidung über Kosmetik bis hin zu Obst und Gemüse alles verkauft wird. Ein Verkäufer wiegt eifrig Kirschen ab, während drei Stände weiter zwei Verkäuferinnen im Kaffeepausen-Plausch begriffen sind und ein anderer Verkäufer, ebenfalls noch ohne Kundschaft, ist in seine Zeitung vertieft. Zu einer Ballett-Aufführung im Bolschoi-Theater fährt die Reisegruppe ebenfalls mit der Metro. Das Licht geht aus: Schwärze umfängt den Besucher und erwartungsvolle Stille. Ein Hüsteln hie und da im Publikum. Dann hebt sich der Vorhang. Langsam setzt die Musik ein, der Meistertänzer schwebt herein und wird die Aufmerksamkeit der Zuschauer für die Dauer der Vorstellung fesseln. Die Aufführung ist ein unvergessliches Erlebnis. Nach über sechsjähriger Renovierungszeit wurde das Bolschoi-Theater 2011 wieder eröffnet. Das Ballettensemble besteht seit 1776, seit 1780 am heutigen Standort. Innen ist das Theater aufwendig mit schweren Kristalllüstern, Samt und viel Golddekor ausgestattet.  Wer in der Pause jedoch etwas trinken möchte, bringt es sich am besten selbst mit. Getränkeverkauf ist rar. Natürlich stehen auch Besuche weiterer Moskauer Sehenswürdigkeiten auf dem Programm, wie die Christ-Erlöser-Kathedrale und das Neujungfrauenkloster mit seinem altehrwürdigen Friedhof, auf dem bekannte Persönlichkeiten aus Kunst, Literatur und Politik bestattet sind. Russische Kirchen sind im Gegensatz zu den hiesigen nicht mit Bestuhlung versehen. Der Gläubige spricht seine Gebete stehend, oftmals vor dem Bildnis einer bestimmten Ikone und beendet sein Gebet mit einem Kuss des Ikonenbildnisses. Ein Besuch im Kreml mit seiner sehenswerten Schatzkammer, dem Schloss und Schlosspark von Zarizyno sowie ein Ausflug zum Kloster Sergejev Possad vervollständigen das Programm. Am Abend streift Moskau sein Alltagsgewand ab und hübscht sich auf, beginnt zu glitzern. Die Sehenswürdigkeiten werden in schönstes dekoratives Licht getaucht und zeigen sich noch einmal von einer anderen Seite, fernab der Hektik tagsüber. Manch ein Gast wird von der romantischen Illumination so verzaubert, dass ein erneuter Besuch gewiss ist.


Jutta Glietz