Reisebericht Lissabon

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Weltstadt am Tejo

Streifzug durch das kulinarische Lissabon

20.04. - 24.04.2017

Reisebericht

Verwinkelte Gassen, der Klang von Fado und der Duft von frisch gebackenen Pastel de Natas: Lissabon, die Weltstadt am Tejo, präsentierte sich den 18 Lesern der Kieler Nachrichten Ende April ursprünglich und kulinarisch.
Die Stadt erwacht gerade, als am Parque Eduardo VII. die ersten Reisegruppen eintreffen. Die 25,8 Hektar große Grünfläche auf einer Anhöhe ist eine der beliebtesten Aussichtspunkte für Touristen. Von dort schweift der Blick über das Denkmal des Marquês de Pombal runter zum Tejo. Links das Stadtteil Alfama, rechts das Bairro Alto und hinter einem das Denkmal zur Nelkenrevolution.
Das quirlige Treiben in den engen und verwinkelten Gassen der Altstadt ist hier nicht zu erahnen. Kaum ein Tuk Tuk (eine mit Dieselmotor betriebene Rikscha) knattert an dem Park vorbei. Portugals Hauptstadt mit seinen knapp 550.000 Einwohnern erstreckt sich hier ruhig über sieben Hügel. Zählt man den Speckgürtel hinzu, kommt Lissabon auf rund 2,04 Millionen Einwohner.
In der Unterstadt, dem Chiado-Viertel, vermischt sich der Duft von frisch gebackenen Pastel de Natas mit dem typischen Meeresgeruch. Die Törtchen bestehend aus Blätterteig, Vanillepudding und Zimt, die ihren Ursprung im Hieronymus-Kloster in Belém haben, werden nahezu an jeder Straßenecke für einen Euro angeboten. Nach dem Originalrezept verkauft jedoch nur noch das Café Fábrica dos Pastéis de Belém die süße Versuchung – 20.000 Stück pro Tag, sieben Tage die Woche.
Auf dem Weg nach Alfama setzt sich immer mehr der Geruch von Diesel durch: Die Tram-Linie 28 ruckelt zwischen großen Reisebussen, unzähligen Tuk Tuks und jeder Menge Autos die Hauptstraße zur Festungsanlage Castelo de São Jorge hoch. Die Burg wurde von den Mauren gebaut und 1755 von einem starken Erdbeben zerstört. Heute lädt die Anlage Touristen zum Verweilen ein. Eine Aussichtsplattform ermöglicht einen weiten Blick über die Stadt bis zur Atlantikmündung. Beim kleinen Bistro schreiten zutrauliche Pfaue zwischen den Tischbeinen herum. Wie die Möwen in Kiel wollen sie einen Bissen von den Leckereien abbekommen.
Unweit vom Castelo de São Jorge werfen die ersten Lissabonner im engen Labyrinth aus Gassen und Straßen fangfrischen Fisch auf den Grill – so, wie es sich für das einstige Wohnviertel der Fischer gehört. Gegenüber des Fado-Museums bekommt dann auch jedermann portugiesische Hausmannskost auf die Teller: Bacalhau (Stockfisch) in den verschiedensten Varianten, gegrillter Oktopus, Cataplana (Fischeintopf) und gegrillte Sardinen.
Die Sardinen an sich genießen in Lissabon einen hohen Stellenwert: egal ob frisch auf den Teller oder in Olivenöl in der Dose konserviert. In den Supermärkten reihen sich die bunt bedruckten Fischkonserven meist auf mehreren Metern. Und auch rund um den Rossio-Platz ist das Gourmetprodukt in mehreren Läden zu finden. Sardinendosen mit alten Motiven findet man hier jedoch kaum noch. Beliebte Mitbringsel sind modernere Motive mit Jahreszahlen-Aufdruck.
Modern zeigt sich auch das Expo-Gelände am Tejo-Ufer: Futuristische Hochhäuser säumen den Park der Nationen, der „Vasco da Gama“-Turm ragt in die Höhe und eine 17 Kilometer lange Brücke überspannt den Fluss. Zwischen den Pavillons – die mittlerweile Callcenter, Start-Ups oder ein Casino beheimaten – steht das über die Landesgrenzen hinaus bekannte Ozeanarium. Es ist das zweitgrößte Aquarium der Welt und zeigt die Vielfalt maritimer Lebewesen. Wer lieber hoch hinaus möchte: Eine Seilbahn führt noch immer über das Gelände der Weltausstellung von 1998.
Über die Uferstraße geht es zurück ins historische Stadtzentrum. Aus den kleinen Restaurants im Bairro Alto schallt melancholischer Fado aus den kleinen Restaurants. Er handelt von unglücklicher Liebe, vergangenen Zeiten, sozialen Missständen und Saudade – den für Lissabon stehenden Weltschmerz. Wer die Stadt verlässt, kann dieses gemischte Gefühl von Sehnsucht, Wehmut und Fernweh nachempfinden. Wie schön wäre es doch, wieder dort zu sein.

Von Tanja Köhler (Text und Foto)