Reisebericht Kroatien

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Faszinierende Landschaften und Städte

Bolje ikad nego nikad. Das ist kroatisch und heißt soviel wie...

26.05. - 02.06.2018

Reisebericht

...irgendwann ist besser als nie. Das sagten sich auch Teilnehmer einer Leserreise der Kieler Nachrichten und Segeberger Zeitung, die zum überwiegenden Teil zum ersten Mal in das Balkanland reisten. Gut 23 Jahre nach dem Krieg gegen Serbien zeigte sich die dalmatinische Mittelmeerküste von seiner sonnigsten Seite.

Zu den ersten Eindrücken nach der Landung in Split gehörten sicherlich die vielen Wechselstuben. Denn obwohl Kroatien seit 2013 Mitglied der Europäischen Union ist, gehört es (noch) nicht zur Euro-Zone, sondern nutzt ein eigenes Zahlungsmittel: die Kuna. Euros werden lange nicht so häufig akzeptiert, wie es die Reiseliteratur glauben macht.

Auf der insgesamt 650 Kilometer langen Jadranska turistička cesta die besonders unter Motorradfahrern und Wohnmobilisten zu den Klassikern der Küstenstraßen zählt, ging es dann Richtung Süden - immer entlang der Adria mit den Flanken des Biokovo-Gebirges auf der einen und steilen Abhängen zum Meer auf der anderen Seite. Hinter jeder Serpentine bieten sich Panorama-Ausblicke aufs Meer und kleine Ortschaften am Ufer; meist ergänzt durch eine Hafenmole neueren Datums für Skipper aus dem In- und Ausland.

Die Magistrale wirkt als Segen und Fluch zugleich. Einerseits ermöglicht sie eindrucksvolle Touren entlang der Küste, andererseits schwappt der Motorlärm häufig hinunter bis in die Dörfer. In erster Meereslinie allerdings, an den Stränden und auf den Promenaden, herrscht überraschende Ruhe und Gemächlichkeit. Zumindest außerhalb der Hochsaison.

Selbst in Makarska, einer Urlauberhochburg mit rund 15.000 Einwohnern, kam keine Hektik auf. Bei einem Cappuccino am Hafen lässt sich das südliche Leben wunderbar beobachten. Von hier schippert auch eine Fähre zur Insel Brač, die vor allem bei Windsurfern beliebt ist.

Im Badeörtchen Drvenik, dem Standquartier der Leserreise, verbindet eine Fähre das Festland mit der Insel Hvar und im Sommer auch mit dem Eiland Korčula - beide bekannt für ihre Weißweinsorte Pošip. Überhaupt: Die Weine Dalmatiens können durchaus überzeugen, auch wenn sie bei uns in Deutschland noch weitgehend unbekannt sind. Und wer lieber Bier mag: Das
Karlovačko, ein helles Lagerbier, erinnert an bayerisches Brauhandwerk. Es schmeckt süffig und nicht so bitter wie ein Pils.

Was das Essen anbelangt, so zeigt sich die dalmatinische Küche schnörkellos und mediterran. Lamm, fritierte Fischchen oder ein Tintenfisch-Risotto mit Mangold, Rosmarin und Lavendelblüten bieten Gern-Essern mit Lust auf Entdeckungen reichlich Möglichkeiten. 

Unzählige Tavernen laden bei erstaunlich günstigen Preisen (ein gut gefülltes Glas Wein ca. 2,50 Euro) zum Pausieren, Genießen und Flanieren ein. Häufig liegen sie direkt am Meer. Das Plätschern der Wellen gibts gratis dazu.

Zu den Höhepunkten der Leserreise gehörte zweifellos die Stadt Dubrovnik im Süden des Landes. Tausende von Menschen drängeln sich hier durch die Altstadt. In der Hochsaison sind es bis zu 25.000 (!) am Tag bei gerade einmal 800 Einwohnern innerhalb der historischen Stadtmauer (die restlichen 41.000 Bewohner leben in moderneren Quartieren). Seitdem Dubrovnik zum Schauplatz der amerikanischen Fantasysaga  “Game of Thrones“ geworden ist, quellen die Sträßchen und Souvenirläden über von Thronies auf Andenken- und Spurensuche. Der touristische Massenansturm erinnert an Rotenburg ob der Tauber oder Venedig.  Im Unterschied zum dortigen Markusplatz werden in Dubrovnik die Tauben aber nicht von Besuchern, sondern von städtischen Angestellten  gefüttert; jeden Mittag punkt 12 Uhr. Ein Schauspiel für den Fremdenverkehr.

Plietsch waren die Stadtväter schon immer. Nicht verkauften Fischen ließen sie abends zum Beispiel die Schwanzflossen abschneiden, damit sie am Folgetag nicht erneut als Frischware angepriesen werden konnten. Geschickte Diplomatie und Handelsbeziehungen verhinderten auch, dass Dubrovnik weder von Venezianern, Osmanen noch in jüngster Zeit von der Jugoslawischen Volksarmee erobert werden konnte.

Den touristischen Heerscharen scheinen die Regenten jedoch nur schwer Herr zu werden. Aber zu bewundern ist sie noch immer: die lichte und bis in die Renaissance zurückreichenden Architektur der Stadt.  Sich in ihren zahlreichen Gassen zu verirren, ist geradezu Pflicht für jeden Besucher. Bolje ikad nego nikad!  Besser irgendwann als nie.

Manfred Gothsch