Reisebericht Kanalinseln

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Zauberhafte Kleinode im Ärmelkanal

Achtung - Aufpassen – zuerst ein Blick nach rechts, wer die Straße überqueren will!

07.05. - 14.05.2018

Reisebericht

Für die KN-Lesereisenteilnehmer ist der Linksverkehr auf den Channel Islands
nur ein kleiner Ausdruck des Außergewöhnlichen auf unserer Reise.

Jersey ist die größte der zwischen England und Frankreich liegenden Kanalinseln.
Aufgrund des milden Klimas, bedingt durch den Golfstrom wachsen dort Palmen, Drachenbäume und Kamelien.

In St. Helier, der Inselhauptstadt besuchen wir die viktorianische Markthalle mit ihrem großen Angebot an frischem Fisch und dem Exportschlager, der Kartoffelsorte Jersey
Royal. Sie schmeckt immer ein wenig nach Meer, denn früher wurden die
Felder mit Algen gedüngt.
Die Ariadne Steam Clock im Old Harbour erinnert an den ersten regelmäßigen Passagierverkehr mit Raddampfern ab dem Jahr 1823. Die Uhr ist eine Neuschöpfung aus Teilen des alten Passagierdampfers und wird im Guinness-Buch der Rekorde als weltweit größte Dampfuhr aufgeführt.

Wir besichtigen das Weingut La Mare Wine Estate und bei einer Führung werden wir über die lange Tradition des Weinanbaus und der Verarbeitung der Trauben auf Jersey informiert. Natürlich nehmen wir auch an einer Verkostung teil. Cider, Appel-Brandy,  Black Butter und salziges Caramell von den Jersey-Kühen finden ihre Liebhaber.

In einem der unzähligen, ehemaligen deutschen Bunker am Meer werden von Faulkner Fisheries Hummer, Austern und Jakobsmuscheln gezüchtet bzw. eingeholt und verarbeitet. Mit Blick auf den Ärmelkanal können Austern verkostet werden. Frischer geht es wirklich nicht, aber bei dieser Köstlichkeit scheiden sich die Geister.

Der botanischen Garten Samares Manor auf Jersey lässt die Herzen der Gartenliebhaber in unserer Reisegruppe höher schlagen. Der Kräutergarten zählt zu einem der Größten Europas und zur Blütezeit muss der Duft betörend sein.

Ebenso ist der Garten der Judith Queree in St. Quen bei Gartenkennern ein Begriff.  Der Garten ist ein Traum. Unterteilt in einen trockenen und einen feuchten Areal liegt er rings um ihr ebenso pittoreskes Haus. Allein fast 200 Arten Clematis sind von insgesamt 2.000 Pflanzensorten zu bestaunen.

Neben den wunderbaren Gärten gibt es auch ganz besondere Kirchen zu sehen. St. Matthew´s Church, oder besser bekannt als die Glass Church wurde 1934 vom französischen Glaskünstler Renè Lalique im Jugendstil  gestaltet. Dominiert wird sie vom 4 Meter hohen Glaskreuz hinter dem Altar, das von hinten beleuchtet wird und mit Madonnenlilien verziert ist. Auch auf den Glassäulen findet man die Lilien wieder. Ein blauer Teppich unterstreicht die Kühle des Glases. 
Auch die Fisherman`s Chapel am Westende der Bucht ist besonders. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und wir können tolle Fresken aus dem 14./15. Jahrhundert sehen. Auf dem Friedhof sind viele Kapitäne und andere Seeleute begraben. Der rötliche Granit erzeugt eine  warme Stimmung und lädt zum Verweilen ein.

Und was wäre England ohne seine Burgen. Wir fahren nach Gorey und sehen uns das Castle Mont Orgueil aus dem 13. Jahrhundert an. Es erhebt sich majestätisch über dem Hafen und ist die älteste Burganlage der Insel.
Nach dem Rundgang genießen wir in gediegener, britischer Atmosphäre einen traditionellen Cream Tea. Scones, clotted cream und Erdbeerkonfitüre sind ein Gedicht.

Beim Ausflug zum La Corbière Leuchtturm bietet sich uns ein atemberaubendes Panorama.
Eine ausgedehnte, bizarre Felsenlandschaft ragt aus dem  in der Sonne glitzernden Meer.
Der Leuchtturm steht am südwestlichsten Punkt der Insel und hier wird der Gezeitenunterschied mit bis zu 13 Metern am deutlichsten sichtbar.

Am nordwestlichsten Punkt der Insel dem Grosnez Point steht die Ruine des Grosnez Castle. Es wirkt im Licht der untergehenden Sonne besonders romantisch. Unten hören wir die Brecher an die Felsen schlagen.
Bei einer Wanderung entlang des Klippenpfades können wir die grandiosen Anblicke der wilden Steilküste genießen. Wir haben auch schon einen Blick auf die Nachbarinseln, die noch auf unserem Ausflugsprogramm stehen.

Sark ist mit nur 5,5 km² die zweitkleinste der bewohnten Kanalinseln und setzt sich aus Great Sark und Little Sark zusammen. Verbunden sind die beiden durch den 90 m hohen Grat La Coupée. Die Insel hat nur 600 Einwohner, Autos, asphaltierte Straßen sind tabu. Außer dem Traktor sind Pferdekutschen, Radfahrer und Fußgänger die einzigen Verkehrsteilnehmer der Insel. Uns erwartet bereits ein Traktor, der uns den steilen Berg ins Inselinnere hochfährt. Ein kleiner Spaziergang führt uns zur Seigneurie, einem Herrenhaus aus dem 17. Jh. und Sitz des Inselchefs. Bis vor wenigen Jahren herrschte hier noch die aus dem Mittelalter stammende Feudalherrschaft, die aber heute durch ein Miniparlament abgelöst wurde. Auch ein Minigefängnis für gerade mal 2 Gefangene können wir bestaunen.

Guernsey ist die zweitgrößte und westlichste der Kanalinseln und somit Wind und Wetter stärker ausgesetzt. Welcome in St. Peter Port! Die Hauptstadt empfängt uns mit Sonnenschein und 20°. Die kleinste Kirche der Welt, Little Chapel ist nur etwa 5 Meter lang und 3 Meter breit. Es ist ein mit Muscheln und Porzellanscherben übersätes Werk von Déodat, der an dieser Stelle eine Miniaturausgabe der Kirche von Lourdes nachbaute. Aber der Bischof passte nicht durch den Eingang und so musste er zweimal sein Werk zerstören und wiederaufbauen. So können auch wir nun die Kirche betreten.
In Guernsey’s Hauptstadt St. Peter Port finden wir noch das Haus von Victor Hugo. Der französische Dichter lebte dort 15 Jahre im Exil und von ihm stammt das Zitat:
…ein Stück Frankreich, das ins Meer gefallen ist und von England aufgesammelt wurde!

Eine beeindruckende und faszinierende Reise zu den zauberhaften Kleinoden im Ärmelkanal!
 
Martina Burbach